by Lena
Allgemein
25. Mai 2020| 481 views

Das Weizenbier, auch Weißbier genannt, ist ein mit obergärigem Hefen gebrautes und erfrischendes Bier. Von naturtrüb bis zum klarem Kristallweizen, von lichtgelb bis dunkelbraun – das Weizenbier ist vielfältig! Doch bei allen gilt: „Um als Weizen zu gelten müssen zwei klar definierte Kriterien erfüllt sein!“. Und so ist ein Weizen immer obergärig und der Weizenmalzanteil liegt immer bei mindestens 50% des Gesamtmalzanteils.

Doch wo kommt das Weiß- bzw. Weizenbier her? Gibt es Unterschiede zwischen Weißbier und Weizenbier? Wieso ist es etwas „typisch bayerisches“? Was kennzeichnet den Geschmack? Und ist alkoholfreies Weizenbier wirklich gesund?

Woher kommt der Name?

Zum Namen „Weißbier“ gibt es verbreitet zahlreiche Theorien. So lässt sich der Name einerseits aus dem Brauprozess herleiten: Denn obergärige Hefe steigt im Vergärungsprozess typischerweise „weiß“ nach oben. Ein weiterer Ansatz ist, dass die Farbe des Bieres ursprünglich viel heller – also „weiß“ – war. Und rein mythologisch betrachtet, liegt der Ursprung des Namens im weißen Fassadenanstrich der Brauhäuser. Die Variationen aus Weizen, Weizenbier oder Weißbier lassen sich aus etymologischer Sicht leicht erklären, denn „Weizen“ und „weiß“ haben den gleichen Ursprung.

Einen kleinen Unterschied gibt es dennoch: traditionell können Weißbiere (im Gegensatz zu Weizenbieren) auch obergärig mit Gerste gebraut werden.

Die Geschichte des Weißbieres

Weizen mit Schaumkrone (Hefeweizen)

Die Hochburg des Weißbieres liegt seit jeher in Bayern, jedoch verbreitete es sich rasant in ganz Deutschland. Ganz nach dem im Volk verankerten Satz „Weizen fürs Brot, Gerste fürs Bier, Hafer für die Pferde.“, wurde entsprechend dem Reinheitsgebot jedoch das Brauen mit Weizen verboten.

Lediglich dem niederbayerischen Geschlecht der Degenberger wurde das Privileg zugesprochen, weiterhin in ihrer Brauerei in Schwarzach Bier mit Weizen zu brauen. Neben der Ernährung der Bevölkerung, gab es hierfür jedoch vor allem politische und territoriale Gründe, so u.a. die jährlichen Zahlungen für das Privileg. 1602 fiel das Privileg zum Weizenbierbrauen an den bayerischen Herzog Maximilian IV. zurück. Der sogleich die „Weißen Brauhäuser“ übernahm und neue gründete, was als „Weizenbiermonopol“ bezeichnet wurde und welche große Teile der bayerischen Staatseinnahmen ausmachte. 1607 gründete er das erste und älteste noch bestehende „Weiße Hofbräuhaus“ in Kelheim. 1605 Von da an war das Weizenbier etwa 200 Jahre lang die beliebteste und meistgetrunkene Biersorte Bayern.

Nahaufnahme eines Weizen

Im 18 Jahrhundert ging der Marktanteil des Weizenbieres – auf Grund der zahlreichen neuen Bierstile – zurück und durch das deutschlandweit erlaubte Brauen des Weizenbieres, wurde das Monopol schließlich aufgehoben. Eine Ausnahme bildet das Weiße Hofbräuhaus, in welchem 1872 letztmalig Weizenbier gebraut wurde, das in staatlichen Händen blieb, aber verpachtet wurde. Letzter Pächter (von 1855 bis 1873) war Georg Schneider, der 1872 das Weizenbierbraurecht des Hofbräuhauses erwarb und damit eine eigene Weizenbierbrauerei gründete. Daraus entstanden ist die heute weltweit bekannte Brauerei Schneider Weisse.

Was zeichnet ein Weißbier aus?

Weißbiere sind immer mit obergäriger Hefe gebraut und weisen einen Weizenmalz-Anteil von min. 50 % auf. Weißbiere haben zwischen 5 und 6 Volumenprozent Alkohol und einen Stammwürzegehalt zwischen 11 und 14 Grad Plato.

Weizenstarkbieren können gerne auch mal einen Alkoholgehalt von über acht Volumenprozent und einen Stammwürzegehalt bis zu 20 Grad Plato haben. Zudem gibt es auch alkoholfreie Varianten. Im Rahmen der Craft Bier Bewegung sind vielfältige weitere Stile entstanden, die an den Weizenbierstil angelehnt sind, welche ebenfalls Varianzen in Alkohol- und Stammwürzegehalt ausweisen können. Hier wird zudem oft mit der Hopfenbittere experimentiert.

Optisch gibt es in den Varianten ebenfalls verschiedene Ausprägungen: von naturtrüb (Hefetrübung) bis zum klarem Kristallweizen, von lichtgelb bis dunkelbraun. Das „typische“ und weltweit bekannte Weizenbier ist naturtrüb und licht- bis hellgelb. Die Farbe des Bieres ist durch die verwendeten Malze geprägt.

Das vollmundige Aroma wird begleitet von dezenten Fruchtnoten, nach Banane und Zitrone, und wird teilweise durch eine Note von Gewürznelken (phelonische Note) ergänzt. Diese Geschmacksnoten entstehen durch Ester (beispielweise Ferulasäure oder Isoamylacetat), welche gewünschte Gärnebenprodukte der Hefe sind, auf die der Brauer durch z.B. Temperaturwahl oder Würzekonzentration, direkten Einfluss nehmen kann. Aus diesem Grund bilden sich innerhalb der Weizenbiere vielfältige Geschmackswelten. Der Hopfenanteil ist geringer als bei anderen Bieren, weswegen die Biere eine geringe (Hopfen-)Bittere aufweisen.
Besonders erfrischend wird es durch den höheren Kohlensäuregehalt, der für einen spritzigen Geschmack sorgt.

Die meisten Hersteller setzen auf Flaschennachgärung – hier wird das Bier direkt nach dem Brauprozess in die Flasche abgefüllt. Es gibt jedoch auch Weizenbiere aus Lagertanks. Hier ist generell die Aromabildung schwächer ausgeprägt. Beim Einschenken zu beachten ist, dass sich die Hefe am Schluss der Reifung aufgrund des Drucks in der Flasche am Boden absetzen.

Das Weizenbierglas

Nahezu jeder kennt die typischen Weizenbiergläser, die einen hohen schlanken Körper und einen verstärkten Glasboden haben. Dass Weizenbiere in diesen „Weißbierstutzn“ ausgeschenkt werden, hat einen guten Grund: Die Form sorgt dafür, dass die Kohlensäureperlen besonders lange im Getränk „nach oben“ steigen und es so frisch und spritzig bleibt. Zudem wird durch den verstärkten Boden das Umkippen der außergewöhnlichen hohen Gläser verhindert.

Tipp zum Anstoßen: Immer mit dem Boden unterhalb des Griffes anstoßen! Das ist inzwischen Tradition, und dient dazu, den Glasbruch zu verhindern.

Weitere Weißbier-Varianten

Kristallweizen: Besonders in den 1960ern überall beliebt und ausgeschenkt! Als Champagnerweizen bezeichnet und von jeglichen Heferesten und Schwebstoffen befreit, war das Kristallweizen eine kleine Revolution. Inzwischen geht der Trend jedoch vermehrt zurück zu den naturtrüben Vertretern.

Weizenbock: Mehr Alkohol, mehr Stammwürzegehalt und entsprechend kräftiger und vollmundiger. Diese Starkbierspezialität sollte man unbedingt mal probieren!

Die belgischen Vertreter: Auch in Belgien wurden verschiedene Varianten des „Weiß bzw. Weizenbieres“ geschaffen. Besonders bekannt und beliebt sind hier beispielsweise das Lambic, ein spontanvergorenes Bier aus Weizen und Gerstenmalz, sowie das Witbier, welches meist mit Grut, Koriander und Orangenschalen gewürzt ist.

Die Craft Bier-Variation: Das Wheat Pale Ale ist einer der bekanntesten Weißbier-Varianten der Craft Bier Bewegung. Im Zuge der experimentellen Brauweisen und -kreationen, kam oftmals zusätzlicher Hopfen zum Einsatz. Von den zahlreichen Craft Bier Braueien gibt es viele Biere, die sich an den Grundausrichtungen des Weißbieres halten und hier eigene Interpretationen schaffen. Ein Stil, der jedoch besonders herausstricht ist das Wheat Pale Ale – eine Mischung zwischen Weizenbier und Pale Ale.

Mischgetränke: Ja, auch Weißbier kann man mischen! Hier gibt es zahlreiche regionale Unterschiede und Bezeichnungen. Oft wird Weißbier mit Zitronenlimonade (Russ, Reizenradler), oder Cola (Mohren, Raufangkehra, Colaweizen) angeboten. Auch die Mischung mit Fruchzusätzen wie Bananensaft oder – nektar (Bananenweizen) oder Kirschsaft (Kirschweizen) ist ein Klassiker. Und besonders im Süden Deutschlands und Österreich gibt es noch „Goaß“ (oder auch Schwarze, Goiß oder Gaas genannt) mit Spezi oder Cola und Kirschlikör.

Das alkoholfreie Weizenbier – nicht nur lecker, sondern auch gesund?

Das alkoholfreie Weizenbier nimmt unter den alkoholfreien Bieren eine besondere und ungewöhnlich beliebte Stellung ein. Das liegt u.a. daran, dass es auch alkoholfrei noch sehr vollmundig und schmackhaft ist. Aber es liegt besonders bei Sportlern auch an dem Mythos, dass alkoholfreies Weißbier „gesund“ sein soll.

Betrachtet man den Mythos genauer, wird die Schlussfolgerung nachvollziehbar: Es kann als isotonisches Getränk klassifiziert werden, hat wertvolle Nährstoffe und Vitamine und ganze 50 % weniger Kalorien als das alkoholische Weizenbier. Aber ist es auch wirklich „gesund“?

Die weltweit größte Marathonstudie „Be-MaGIC“ sagt: Ja!

Denn ein Ergebnis der Studie ist, dass polyphenolhaltige alkoholfreie Weißbiere die Entzündungsparamter im Blut und die Infekanfälligkeit deutlich senken und somit die negativen Auswirkungen eines Marathons ausgleichen können. So ist die Infektionsanfälligkeit um 2/3 gesenkt.

Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die als Farb- und Geschmacksstoffe in Pflanzen, aber eben auch im Bier vorkommen.

Nun ist zu erwähnen, dass eine der größten Weißbierbrauereien diese Studie zum Teil mitfinanziert hat.

Und was isst man dazu?

Natürlich wie immer – alles was einem schmeckt. Typisch zu empfehlen ist nach bayerischer Tradition Obazda (oder auch: Obazder, Obatzter, Obatzda) – der Biergartenklassiker schlechthin.

Alternativ schmeckt auch Fisch im allgemeinen und Sushi, wenn es experimenteller sein soll, sehr gut dazu!